Bitcoin-Fonds schwanken, Ether-Fonds verlieren: Was die ETF-Flussdaten im Oktober zeigen
Der Oktober brachte Bitcoin-ETFs heftige Tagesschwankungen und Ether-Fonds stetige Abflüsse. Was die Flussdaten über die Nachfrage von Institutionen verraten.
ETFS & INSTITUTIONSBITCOINANALYSIS
Daniel Hartley
10/28/20263 min lesen
Spot-Krypto-ETFs sollten die stetige institutionelle Nachfrage im Markt verkörpern. Der Oktober 2026 hat gezeigt, dass diese Nachfrage real ist, aber alles andere als stetig. Bitcoin-Fonds pendelten innerhalb einer einzigen Woche zwischen einigen ihrer größten Zu- und Abflusstage des Jahres, während Ether-Fonds an den meisten Handelstagen Geld verloren. Zusammen betrachtet sagen die Zahlen mehr darüber aus, wie Anleger diese Produkte nutzen, als jede einzelne Tagesmeldung.
Bitcoin: große Tage in beide Richtungen
Am 19. Oktober flossen dem iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock rund 665 Mio. $ zu, der größte Tageszufluss seit Oktober 2025, wie The Block unter Berufung auf SoSoValue berichtete. Über alle US-Spot-Bitcoin-Fonds hinweg lagen die Nettozuflüsse an diesem Tag bei etwa 527 Mio. $, weil Abflüsse aus Produkten von Fidelity und Grayscale einen Teil des IBIT-Plus aufzehrten. Drei Handelstage später drehte die Richtung: Am 22. Oktober verloren die Fonds rund 636 Mio. $, der größte Tagesabfluss seit Ende Juni. IBIT und Fidelitys FBTC standen für etwa drei Viertel davon.
Über den gesamten Monat fällt das Ergebnis weit weniger dramatisch aus als die Tagesbewegungen. Nach Farside-Zahlen verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs bis zur dritten Oktoberwoche Nettoabflüsse von nur rund 67 Mio. $. SoSoValue bezifferte die kumulierten Nettozuflüsse seit dem Start im Januar 2024 auf etwa 57,3 Mrd. $ bei einem Nettovermögen von knapp 105 Mrd. $. Das Muster spricht eher für taktische Positionierung rund um die Marke von 80.000 $ als für einen breiten Rückzug der Institutionen. Große Anleger scheinen bei Rücksetzern zuzukaufen und in Erholungen Gewinne mitzunehmen. Die ETFs dienen also inzwischen ebenso als Handelsinstrument wie als langfristiger Baustein der Vermögensaufteilung.
Ether: ein stetiger Abfluss
Bei Ether-Fonds sieht es anders aus. Laut Farside-Daten verloren US-Spot-Ether-ETFs im Oktober bis zum 21. rund 1,08 Mrd. $, der stärkste monatliche Abfluss des Jahres 2026. Damit waren die Zuflüsse aus dem September von etwa 832 Mio. $ aufgezehrt, und die Nettozuflüsse seit Jahresbeginn schrumpften auf rund 485 Mio. $. Das Nettovermögen lag am 20. Oktober bei etwa 15 Mrd. $, rund 5 Prozent des Marktwerts von Ether.
Ein Teil davon erklärt sich über den Kurs. Ether fiel binnen 30 Tagen um rund 13 Prozent auf etwa 2.340 $ am 24. Oktober und verlor gegenüber Bitcoin an Boden: Das ETH/BTC-Verhältnis sank im Monatsverlauf von 0,0319 auf 0,0291. Die Daten zeigen aber auch eine Verschiebung innerhalb der Kategorie. An manchen Tagen, an denen die größten Ether-Fonds Abflüsse meldeten, zogen Produkte mit Staking Geld an. Am 21. Oktober etwa sammelte der Staking-Fonds von Grayscale rund 28 Mio. $ ein, während BlackRocks ETHA etwa 29 Mio. $ verlor. Langfristige Anleger haben gute Gründe, Fonds zu bevorzugen, die Staking-Erträge weitergeben, und Fonds ohne diese Funktion verlieren Marktanteile.
Der Staking-Markt bringt eine eigene Komplikation mit sich. Die Warteschlange für den Austritt von Validatoren bei Ethereum erreichte in diesem Monat die längste Wartezeit des Jahres. Verwalter von Staking-Fonds müssen daher länger warten, wenn sie Coins für Rücknahmen freigeben wollen. Wie Emittenten mit diesem Liquiditätsungleichgewicht umgehen, wird mit dem Wachstum der Staking-Fonds wichtiger.
Altcoin-Fonds: stabil, aber klein
Solana- und XRP-Fonds, die im vergangenen Jahr auf Grundlage der allgemeinen Zulassungsstandards der SEC gestartet sind, blieben von großen Abflüssen verschont, haben aber an Schwung verloren. Nach SoSoValue-Daten lagen die kumulierten Nettozuflüsse in US-Spot-Solana-ETFs am 21. Oktober bei rund 1,55 Mrd. $, leicht unter den etwa 1,61 Mrd. $ von Ende September, bei einem Nettovermögen von knapp 1,69 Mrd. $. XRP-Fonds wiesen kumulierte Zuflüsse von rund 1,80 Mrd. $, aber nur etwa 1,57 Mrd. $ Nettovermögen aus. Die Lücke spiegelt den Kursrückgang des Tokens seit dem Eingang eines Großteils dieser Gelder wider. Die täglichen Zuflüsse in beide Gruppen sind auf niedrige einstellige Millionenbeträge geschrumpft.
Was die Zahlen nahelegen
Drei Schlüsse drängen sich auf. Erstens bleiben Bitcoin-ETFs das zentrale Produkt für Institutionen: Ihre kumulierten Zuflüsse übertreffen alle anderen Anlagen bei Weitem, und nach Abverkäufen kehrt das Geld meist schnell zurück. Zweitens belohnt der Markt Produktmerkmale. Bei Ether scheint die Staking-Rendite Gelder zwischen den Fonds umzulenken, auch wenn die Kategorie insgesamt schrumpft. Drittens ist die Nachfrage nach Altcoin-Produkten real, aber überschaubar, und sie war bislang rund um die Starttermine am stärksten.
Für die kommenden Wochen sind zwei Signale am aufschlussreichsten: ob Bitcoin-Fonds mehrere Zuflusstage aneinanderreihen, während sich der Kurs nahe der von Glassnode hervorgehobenen Kostenbasis von etwa 80.000 $ hält, und ob sich die Ether-Abflüsse verlangsamen, während Staking-Produkte Anteile gewinnen. Die täglichen Schlagzeilen werden weiter schwanken. Monatliche und kumulierte Zahlen zeigen zuverlässiger, wohin das Geld der Institutionen tatsächlich fließt.
